III. Widerstand
(Teil 3 der Trilogie Les Maisons du Châtiment von Libertineros)
Monate waren vergangen seit Arinas Auspeitschung im Salon der Olga Rusjawa, und der heiße Sommer hatte einem grimmigen Winter weichen müssen. Immer wieder hatte Aleksandr versucht zu Arina Kontakt aufzunehmen, aber alle seine Briefe waren abgefangen worden, und da er keine Antwort erhielt, glaubte er bald Arina sei ihm immer noch Gram ob der Auspeitschung.
Im Haus der Ruslana Pjetkowa war der Alltag eingekehrt, und die Dinge nahmen ihren gewohnten Gang bis zu jenem frostigen Tag an dem Ruslana Pjetkowa auf der vereisten Straße ausrutschte und fiel. Es war ein unglücklicher Sturz gewesen, bei dem, die sich bereits in fortgeschrittenem Alter befindliche, Ruslana Pjetkowa sich ernsthafte Verletzungen zugezogen hatte. Obwohl sie in einem komfortablen Haus lebte und Arina sich intensiv um Ruslana Pjetkowa kümmerte verschlechterte sich ihr Zustand in den rauhen Wintertagen immer weiter. Gegen Weihnachten war Ruslana Pjetkowa nur noch ein Schatten ihrer selbst und vielleicht hatte sie auch die Lust am Leben verloren, denn ihr Verfall ging weit schneller voran, als ihr Arzt es sich erklären konnte, und wenige Tage nach Neujahr verstarb Ruslana Pjetkowa.
Für Arina bedeutete das den plötzlichen Verlust ihres Zuhauses, und als nunmehr Siebzehnjährige ohne weitere Angehörige, musste sie sich nun selbst durchs Leben schlagen.
In der kurzen Zeit, welche die Erben von Ruslana Pjetkowa Arina gegeben hatten sich auf eigene Füße zu stellen, fand Arina nur einen Platz in einer Fabrik, die mit der Herstellung von Besteck beschäftigt war. Glücklicherweise konnte sie in einem Wohnheim der Fabrik selbst auch eine Unterkunft finden. Erst später wurde ihr bewusst, daß sie für das winzige Zimmer, das sie fortan bewohnte und welches sie noch mit einem weiteren Mädchen teilte, einen beträchtlichen Anteil ihres Lohnes bezahlen musste. Aber zunächst zählte für sie nur, daß sie ein Dach über dem Kopf und eine Beschäftigung hatte, und nicht auf der Straße leben musste.
Svetlana, mit der Arina das Zimmer teilte, war bereits 22 Jahre alt, und arbeitete schon einige Jahre in der Fabrik. Sie weihte Arina in die Regeln und die ungeschriebenen Gesetze des Fabriklebens ein, und schnell fand sich Arina zurecht.
Der Winter war dieses Jahr langanhaltend und auch im März war es noch Bitterkalt. Der durch ihre Kammer führende Kamin gab nur wenig Wärme ab, so daß sich die beiden Mädchen des Nachts in einem der Betten eng aneinanderschmiegten um nicht allzu arg frieren zu müssen. Da es immer noch früh dunkel wurde und sie morgens um fünf aufstehen und sich für die Arbeit fertig machen mussten gingen sie meist schon recht früh ins Bett.
Eines Abends kam Svetlana jedoch erst spät in die Kammer, als Arina bereits im Bett lag. Arina scherzte „ich habe bereits unser Bett vorgewärmt“, aber Svetlana war nicht zum Scherzen zu Mute, wie Arina schnell bemerkte. Obwohl es in der Kammer nur ein schummriges Licht gab bemerkte sie Svetlanas verheultes Gesicht. Schnell verschwand Svetlana unter der Decke und drehte sich von Arina weg. Doch in der Bewegung stieß sie mit ihrem Po an die Knie von Arina, und Svetlana stieß ein spitzes „Au“ aus.
„Was hast du?“, fragte Arina, fühlte aber sofort, daß es etwas mit der Berührung ihrer Knie mit Svetlanas Po zu tun haben musste.
„Nichts“, gab Svetlana zurück und signalisierte deutlich nicht darüber sprechen zu wollen. Aber die neugierige Arina gab nicht locker, „doch, irgendwas ist passiert“, und einem Impuls folgend, berührte Arina Svetlanas Po sanft mit ihrer Hand.
„Nein!“, schrie diese, aber Arina hatte bereits einen Verdacht, der sich bestätigte, als sie ihre Hand unter Svetlanas Nachthemd gleiten ließ, und die Hitze spürte, die von Svetlanas Pobacken ausging. Das kannte Arina. Es war die Hitze einer vorangegangenen Züchtigung.
„Wer hat dich geschlagen, was ist geschehen?“, fragte sie rundheraus, und Svetlana, die nach einigen Wochen des Zusammenlebens mit Arina genau wusste, daß diese keine Ruhe geben würde, bis ihre Neugierde befriedigt, und sie alles erfahren hatte, stöhnte leise, und begann dann zu erzählen …
„Ich war heute Abend schon sehr müde als ich an der
Stanzmaschine für die Gabeln arbeiten musste. Dabei habe ich ein Blech in die
Maschine geschoben, und nicht bemerkt, daß es drei
Bleche übereinander waren. Ich habe es nicht bemerkt, auch als es seltsame
Geräusche gab, bis die Maschine stehenblieb. Der Vorarbeiter hat es sich dann
angeschaut, und den Ingenieur geholt. Dieser meinte ich hätte durch meine
Unachtsamkeit die Maschine kaputt gemacht.
Der Ingenieur hat dann den Hallenwart rufen lassen, und der hat mich sofort in
sein Büro geschickt, wo ich auf ihn warten sollte, bis er die Lage geklärt
hatte. Dort habe ich dann lange gewartet, bis der Hallenwart mit dem Sohn des
Fabrikbesitzers gekommen ist. Den kennst du, Arina, es ist der, der seit
letzter Woche immer wieder in die Stanzhalle kommt, um unsere Arbeit zu
beobachten. Angeblich ist er erst frisch von der Universität gekommen, um sich
in den Betrieb seines Vaters einzuarbeiten“.
Arina nickte, denn sie konnte sich an den gutaussehenden, jungen Mann erinnern, der sie in den letzten Tagen immer wieder intensiv bei ihrer Arbeit beobachtet hatte. Svetlana fuhr mit ihrer Erzählung fort:
„Der hat sich dann nochmal den ganzen Hergang vom Hallenwart erzählen lassen. Er blieb dabei sehr ruhig und machte auf mich eigentlich einen sehr freundlichen Eindruck, aber als ich etwas sagen wollte, herrschte er mich an zu schweigen. Dann schickte er mich vor die Tür, und besprach sich weiter mit dem Hallenwart. Kurz danach kam er alleine aus dem Büro und wies mich an mit ihm zu kommen. Ich folgte ihm, und wir gingen durch die langen Gänge in der Verwaltung bis über die kleine überdachte Brücke hinüber in das angrenzende Gebäude, in das sonst keine von uns Arbeiterinnen gehen darf. Dort führte er mich in ein Zimmer und wies mich an zu warten.“
Svetlana unterbrach ihr Erzählen, denn die Erinnerung an das folgende Geschehen machte ihr zu schaffen. Gerade das Gefühl der zunehmenden Angst, welches in diesem Raum während der Zeit des Wartens immer intensiver in ihr aufgestiegen war, erlebte sie während des Erzählens nun erneut. Der Raum war recht kahl gewesen. Nur ein Tisch und zwei Stühle hatte darin gestanden. Dies hatte den Eindruck der Verlassenheit und Ohnmacht in Svetlana noch weiter anschwellen lassen. Für Svetlana schien es sehr lange gedauert zu haben, bis der junge Fabrikherr, nunmehr in weiblicher Begleitung, wieder erschienen war.
„Die Frau war sehr vornehm angezogen, und
vielleicht in meinem Alter, ich habe sie in der Fabrik aber noch nie gesehen.
Sie stellten sich vor mich hin, und er erklärte mir, daß
ich jetzt für die Beschädigung der Maschine bestraft würde, und ich sollte froh
sein, daß er mich nicht auf der Stelle hinauswerfen
würde, so wie es sein Vater sofort tun würde, wenn er von dem Vorfall hören
würde.
Dann hat er mich gepackt und mich mit dem Bauch auf den Tisch gedrückt.“
Wieder machte Svetlana eine Pause, denn erneut
fühlte sie die Angst des Momentes, in dem sie gespürt hatte, daß ihre Füße an die Tischbeine gebunden wurden und sich
die Frau an ihrem Kleid zu schaffen gemacht und kurz darauf Svetlanas Po
entblößt hatte. Es war alles so schnell gegangen, daß
Svetlana nun in der Erinnerung fast noch mehr Entsetzen spürte als in jenem
Moment in dem es tatsächlich geschehen war. Gerade die Erinnerung daran, von
den starken Händen des jungen Mannes an ihren Schultern auf die Tischplatte
gedrückt zu werden, und seine Worte „Sie ist jetzt bereit für Dich meine
liebe Noruschka“, war es, die ihr erneut einen
Schauer durch ihr Rückgrat laufen ließ. Denn kaum waren diese Worte verklungen
gewesen, als Svetlana ein kurzes Pfeifen vernommen, und sofort darauf den
Schmerz des ersten Schlages auf ihren Po gespürt hatte.
Es war die Wirkung einer etwa einen Meter langen Gerte, welche die als Noruschka angesprochene junge Frau nach dem ersten Schlag
begutachtete.
Die Gerte hatte einen roten Striemen auf
Svetlanas Po hinterlassen, den sich ´Noruschka´
sorgfältig aus der Nähe betrachtet hatte, bevor sie in ihre ursprüngliche
Position zurückgekehrt war. Dann erst hatte ´Noruschka´
einen zweiten und dritten Schlag folgen lassen. Weitere Striemen waren die
Folge gewesen, und Svetlana hatten schreien müssen ob des Schmerzes den die
Gerte verursachte. ´Noruschka´ schien
die Wirkung ihre sorgfältig ausgeführten Schläge auf Svetlanas Po genießen zu
wollen, denn immer wieder hatte sie lange Pausen dazwischen gefügt.
Offensichtlich verfügte ´Noruschka´ über
einige Erfahrung in der Handhabung der Gerte, denn sie hatte zwischendurch
gescherzt:
„Die scheint mehr aushalten zu können als die Anderen. Sie jammert gar nicht so viel.“
Und mit leichten Worten hatte sie in Richtung des jungen Fabrikbesitzers gescherzt, der Sventlanas Oberkörper in festem Griff fixiert gehalten hatte:
„Ich weiß gar nicht warum du dir diesen Spaß entgehen läßt, Fjodor, schau dir nur dieses hübsche Striemenmuster an, das ist höchst amüsant, ich übertreffe mich heute mal wieder selbst …“
Die Erinnerung an diese von ´Noruschka´ so arrogant gesprochenen Worte ließen Svetlana erneut in Tränen ausbrechen, denn ´Noruschka´ hatte zwischen ihren scherzenden Sätzen immer wieder die Gerte auf Svetlanas Po pfeifen lassen, und dabei stetig die Heftigkeit von Mal zu Mal gesteigert.
„Arina, stell dir vor, er hat darauf geantwortet,
daß er es schon genug genießen würde seiner Noruschka zuzuschauen. Und die nahm das dann als Aufforderung
mich mit der Gerte noch heftiger zu schlagen. Ich dachte ich würde es nicht
aushalten können und schrie immer lauter, aber er sagte nur in ruhigem Ton, daß mich hier sowieso niemand hören würde, und die Frau
lachte nur spöttisch.
Ich weiß nicht wie lange es gedauert hat, und wie viele Schläge sie mir gegeben
hat, aber irgendwann meinte sie nur:
´Jetzt bin ich müde – möchtest du dich noch ein wenig mit ihr vergnügen, Fjodor?´
Zum Glück hatte er wohl keine Lust dazu. Er lehnte ab, und dann banden sie mich los. Er hat mich dann zurück über die Brücke ins Verwaltungsgebäude gebracht und ließ mich gehen. Die Sache sei nun erledigt, ich dürfe aber niemandem davon erzählen, sonst würde ich entlassen, das sagte er noch – also bitte Arina, erzähle es nicht weiter.“
Arina schlug nun die Decke zurück und schob das Nachthemd über Svetlanas Po, der sich ihr voller roter Striemen von der Gerte zeigte. Die Bestrafung musste wahrhaft heftig gewesen sein. Arina erinnerte sich daran, wie ihr selbst eine Creme geholfen hatte, die Folgen solch einer Züchtigung zu mildern. Leider besaß sie aber nichts mehr von dieser Wundercreme, so daß sie eben eine einfache Creme nahm, welche sie sich im Fabrikladen gekauft hatte. Mit großer Vorsicht und Sanftheit cremte sie damit Svetlanas Po ein, welche bei der Berührung immer wieder zusammenzuckte. Dann nahm sie Svetlana in den Arm und so schliefen sie bald ein.
Dank der schnellen Behandlung mit der Creme
verheilte Svetlanas Po innerhalb der nächsten Tage, und es blieben auch keine
Spuren der grässlichen Gerte zurück. In Arinas Kopf aber blieben Spuren von der
Erzählung Svetlanas über jene arrogante Frau, die Svetlana so grausam
gezüchtigt hatte. Mit welchem Recht hatte sie das getan, die Arbeiter waren
doch keine Leibeigenen mehr.
In Arina regte sich Wut, aber wie versprochen sagte sie niemandem etwas.
Die Wochen vergingen und der rauhe Winter wich einem kurzen schlammigen Frühling. Schnell war es hochsommerlich warm geworden, aber so schnell wie die Temperaturen gestiegen waren, so schnell waren auch die Preise im Fabrikladen gestiegen. Und nicht nur dort. In allen Geschäften waren die Preise in einem Maß gestiegen, daß den Familien der Arbeiter kaum noch etwas zum Leben blieb.
In den Fabriken regte sich Unmut, und bald hörte Arina, daß es Streik geben solle. Streik – was sollte das sein, davon hatte sie noch nie gehört. Als sich die Lage immer weiter verschlechterte besetzten die Arbeiter die Fabrik und hörten auf zu Arbeiten.
Arina blieb nichts anderes übrig, als mitzumachen, denn schnell war das Fabrikgelände abgeriegelt und von Polizei umstellt. Der Fabrikbesitzer hatte sich vor dem Tor eine kleine Tribüne aufbauen lassen und den Arbeitern gedroht, daß sie alle entlassen und angeklagt würden, sollten sie nicht sofort wieder an die Arbeit gehen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen fühlten sich jedoch stark und verlachten ihn nur.
Am nächsten Tag versuchte es der Sohn des Fabrikbesitzers mit einem versöhnlicheren Ton, und stellte den Arbeitern sogar eine moderate Lohnerhöhung in Aussicht. Einige der Arbeiter schienen dem sogar zunächst zugeneigt zu sein, doch als eine junge Frau sich neben den Sohn des Fabrikbesitzers stellte, ging ein Gemurmel durch die Menge. Gerade einige der Arbeiterinnen erkannten offensichtlich die junge Frau und riefen Schmähworte aus der Menge. Übermütige Arbeiter stimmten mit lauten Pfiffen und Buhrufen ein, und einige begannen mit Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen zu werfen. Arina hörte wie jemand rief: „Das ist sie, die arrogante Gertenschwingerin“, und im anschwellenden Wüten der Arbeiter verließen der Fabrikbesitzer und seine Angehörigen schnell den Ort des Geschehens. Das also musste ´Noruschka´ gewesen sein dachte sich Arina, und erinnerte sich an das, was Svetlana vor einigen Wochen von dieser Frau angetan worden war.
Kaum waren der Fabrikbesitzer und seine Begleiter in einer Kutsche abgefahren gab der Oberst der Polizei seiner Truppe ein Zeichen, und diese rückte auf das geschlossene Werkstor zu. Die Menge bewarf nun die Polizisten, die daraufhin begannen in die Luft zu schießen.
Das führte zu einer Panik in der Menge, die sich nun ungeordnet in alle Richtungen bewegte. Die Unordnung ausnutzend überwanden die Polizisten die aufgebauten Barrikaden, öffneten das Werkstor und begannen wahllos auf jeden einzuprügeln, der ihnen in den Weg kam.
Arina beobachtete wie Svetlana ob der Gewalt erstarrte und bewegungsunfähig in der, um sie herum schreienden, Menge stand. Beherzt ergriff Arina Svetlanas Hand, und zog sie gerade rechtzeitig fort, bevor die Polizisten sie erreicht hatten. Schnell rannten sie nun über das Fabrikgelände zu ihrem Wohnheim und versteckten sich in ihrem Zimmer, während draußen der Lärm mit der Zeit abnahm. Die Polizei verhaftete umgehend einige der als Rädelsführer vermuteten Arbeiter, und bald trat auf dem Gelände wieder Ruhe ein. Der ´Streik´ war vorüber.
In Arina wirkten diese Geschehnisse noch lange nach. Gerade die Reaktion der Menge auf das Erscheinen dieser ´Noruschka´ beschäftigte sie, und sie begann vorsichtig die anderen Arbeiterinnen auszufragen. Waren es zunächst mehr Andeutungen und „Hörensagen“, so bekam Arina mit der Zeit auch Kontakt zu Arbeiterinnen, die bereit waren mehr davon preiszugeben, was sie mit ´Noruschka´ durchlitten hatten. Nach und nach entstand daraus das Bild der Verlobten des jungen Fabrikherren, die ihre Beziehung zu diesem dazu nutzte, um gezielt junge Arbeiterinnen, die sich größere oder kleinere Vergehen in der Fabrik hatten zu Schulden kommen lassen für ihre Art von „Vergnügen“ ausgeliefert zu bekommen. Dieses „Vergnügen“ bestand für ´Noruschka´ sichtlich darin die überwiegend jungen Arbeiterinnen durch Züchtigung mit ihrer gefürchteten Gerte zu bestrafen. Der junge Fabrikherr selbst beteiligte sich, nach allem was Arina hatte herausbekommen können, eher selten selbst in der Form, daß er die Gerte zur Anwendung brachte. Er hatte sich wohl meist darauf beschränkt zuzusehen, wie seine Verlobte die Gertenstrafe auf der Nacktheit der Mädchen zur Ausführung brachte. Jedoch häuften sich die Berichte in den letzten Wochen, nach denen die Mädchen, während sie bestraft worden waren, den jungen Fabrikherren hatten befriedigen müssen.
Interessanterweise fand Arina auch heraus, daß einige der „Vergehen“ der Arbeiterinnen weit weniger schwerwiegend waren, als daß man sie dafür entlassen hätte. Auch die Maschine, die Svetlana angeblich durch eine Fehlbedienung zerstört hatte, war nach kurzer Reparatur bereits in der nächsten Schicht wieder einsatzfähig gewesen. In anderen Fällen hatte es sich ebenfalls herausgestellt, daß Störungen und Unterbrechungen im Arbeitsablauf, die den Arbeiterinnen angelastet worden waren, letztendlich eine Folge von Verschleiß und schlechter Wartung gewesen waren.
Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis Arina all diese Informationen zusammengetragen hatte, und darüber war es wieder Herbst und Winter geworden. Einige der verhafteten Arbeiter waren inzwischen wieder freigekommen. Darunter auch der junge Rodion, der im Gefängnis reifer und entschlossener geworden war die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Auch zuvor war er bereits aktiv in einer Arbeitervereinigung gewesen, in der er nun sein Engagement ausweitete. Dabei erfuhr er von Arinas Informationen über schlechte Maschinen und Arbeitsbedingungen. In langen Winterabenden tauschten sich die Beiden über ihre gewonnen Erkenntnisse aus, und fanden, daß sie sich nicht nur in Bezug auf ihr Engagement für die Arbeiter und Arbeiterinnen näherkamen. Rodion war ein stattlicher junger Mann mit schwarzem, lockigen Haar und starken Schultern, und Arina hatte sich trotz der harten Arbeit zu einer begehrenswerten jungen Frau entwickelt.
Da auch Svetlana inzwischen einen Freund in der Arbeiterschaft gefunden hatte, wunderte es nicht, daß ihre Zimmer in vielen Nächten eine gemischte Belegung aufwiesen.
Rodion hatte Arina bei ihren Untersuchungen unterstützt, und so war es gekommen, daß auf ihre Initiative hin, bald jeder Vorfall, der einem Arbeiter oder einer Arbeiterin als Fehler vorgeworfen wurde, von sachkundigen Technikern die ebenfalls der Arbeiterschaft angehörten, beurteilt wurde. Vorbei war damit die Zeit, in der eine Arbeiterin alleine dem Ingenieur und Fabrikherren gegenüberstand, und damit vorbei auch die Zeit der ungerechtfertigten, heimlichen Bestrafungen.
Fjodor der junge Fabrikherr und seine inzwischen angetraute Gemahlin Eleonora, eben jene ´Noruschka mit der Gerte´, erfuhren davon allerdings erst nach ihrer Rückkehr von einer dreimonatigen Hochzeitsreise, die sie in ferne Gefilde geführt hatte. Da war es schon wieder Frühling geworden.
Während Fjodor durchaus gewillt war sich mit den geänderten Verhältnissen abzufinden – immerhin hatte sein Vater den Arbeitern diese Zugeständnisse gemacht um im Gegenzug weitere Streikauseinandersetzungen zu vermeiden – war seine junge Gattin Eleonora wütend und erbost. Viele Tage wollte sie sich nicht beruhigen, und verweigerte Fjodor das gemeinsame Bett.
Doch eines Tages kam sie mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck von einer Reise zurück. „Fjodor, ich habe eine Lösung für unser Problem“, wobei sie natürlich meinte für ihr eigenes Problem. „In Moskau wurde ein neues Gesetz erlassen, das die Agitation von Arbeitern in ihrer eigenen Fabrik verbietet. Wer dagegen verstößt, den können wir anzeigen und verhaften lassen. So werden wir diese Arina und ihren Rodion los“. Eleonora strahlte über ihr ganzes Gesicht vor Freude, wandelte ihren Gesichtsausdruck aber flugs ins Boshafte und fügte hinzu „Aber zuvor werde ich dieser Arina noch eine Lektion erteilen …“.
Tage später gingen Arina und Rodion am späten Abend nach der Arbeit in einer lauen Juninacht spazieren. Wie schon etliche Male waren sie auf einem kleinen Treidelpfad am Rande eines Kanals unterwegs. Da fiel das Unheil über sie herein. Wie aus dem Nichts wurden die Beiden von sechs dunklen Gestalten umringt. Im nächsten Moment waren sie getrennt, und Arina verschwand unter einem dunklen Sack. Der starke Rodion wehrte sich nach Leibeskräften, doch konnte er gegen die Übermacht nichts ausrichten, ging zu Boden und wurde übel zugerichtet. Die Angreifer verschwanden mit Arina und ließen Rodion blutend und ohnmächtig zurück. Erst am nächsten Morgen fand er den Weg zurück in die Fabrik.
Arina hingegen war von den Gestalten zum Haus der Eleonora gebracht worden, die sie bereits in einem eigens für die kommenden Geschehnisse hergerichteten Salon erwartete. Als man Arina den Sack abgenommen hatte, in dem sie entführt worden war, staunte diese über die Pracht des von vielen Kerzen hell erleuchteten Raumes. Im nächsten Augenblick erkannte sie ´Noruschka´, die neben ihrem Mann Fjodor stand, und bereits die berühmt-berüchtigte Gerte in der Hand hielt. Schnell erfasste Arina die Situation, und ahnte, was ihr bevorstehen sollte. Aber richtig erschrocken war sie, als sie eines der Möbelstücke wiedererkannte, welches in seiner Einzigartigkeit einem einzigen Zweck nur zu dienen, eine Erinnerung in ihr aufsteigen ließ, die sie für immer hatte in sich verschließen wollen: ein ´Chevalet´, den sie bereits im Salon der Olga Rusjawa kennengelernt hatte.
Vor aller Anwesender Augen wurden Arina von den dunklen Gestalten, welche sie entführt hatten, die Kleider vom Leib gerissen und sie mit ledernen Schnüren nackt an den ´Chevalet´ gebunden. Dann traten die Häscher zurück, und überließen das Feld der ´Noruschka mit der Gerte´, welche mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck herantrat, und eine Weile lang die Spannung des Moments auskostete, bis sie die Gerte hob, und den ersten Hieb auf Arinas nackten Po herabsausen ließ.
Alle Spannung der vielen Monate, die sie hatte wegen Arina abstinent verbringen müssen, entlud sich in Eleonora in diesem Moment, und als sie Arina schreien hörte durchlief es sie mit Schauern der Wonne, wie gleichzeitig Arina von einem Schauer des Schmerzes gepeinigt wurde.
Eleonora kostete jeden Moment aus, und ließ lange Pausen zwischen den einzelnen folgenden Hieben, deren Plazierung auf Arinas Körper sie auf das sorgfältigste ausführte. Die Umstehenden bemerkten die zunehmende Heftigkeit die Elenora in die Hiebe legte und die Härte des Auftreffens auf Arinas Haut, die sich immer mehr mit tiefroten Striemen überzog.
Während seine ´Noruschka´ sich zunehmend in einen wahren Rausch der Züchtigung hineinsteigerte fühlte sich Fjodor immer unwohler. Hatte er noch vor Monaten die Grausamkeiten seiner Frau, gerade in der erotischen Verquickung mit dem Entblößen der Arbeiterinnen als anregend empfunden, so war ihm das hier eindeutig zu viel. Bei den Arbeiterinnen hatte seine ´Noruschka´ stets ein fröhliches Gesicht gezeigt, zwischendurch gescherzt und mit ihm erotisch geflirtet, während diese ´Eleonora´ nun mit haßerfülltem Gesicht wie eine Furie auf Arina eindrosch. Und ´diese Eleonora´ hätte die Züchtigung bestimmt bis zur Bewusstlosigkeit von Arina, und vielleicht sogar darüber hinaus fortgesetzt, nur um eine Art besonderen Orgasmus in ihrem Rausch zu erleben, wenn Fjodor nicht eingeschritten wäre, und Eleonora die Gerte mit Gewalt aus der Hand gerissen hätte. Diese schrie ihn an in ihrer Wut und Ekstase, doch ohne sich zu besinnen knallte er seiner ´Eleonora´ rechts und links eine gewaltige Ohrfeige. Mit einem Mal herrschte Totenstille im Raum, und selbst Arina hatte aufgehört zu wimmern.
Eleonora stürmte aus dem Raum, und Fjodor ordnete an Arina loszubinden und auf die Polizeiwache zu bringen.
Die dunklen Gestalten folgten schnell seiner Anordnung, und die geschundene Arina wurde unter der Anschuldigung eine illegale Agitatorin in der Fabrik zu sein, und obendrein noch in Flagranti beim Diebstahl im Haus des Sohns des Fabrikbesitzers erwischt worden zu sein, bei der Polizei abgeliefert. Arinas Häscher bezeugten ihre angebliche Tat, und die Polizisten ließen Arina am nächsten Morgen in das nahegelegene Militärgefängnis überstellen, da die zivilen Gefängnisse zu diesem Zeitpunkt alle überfüllt gewesen waren.
Arina fand sich alsbald in einem dunklen Kellergefängnis wieder, gedemütigt und gezüchtigt. Die Militärgefängnisse waren bekannt dafür, daß es in ihnen noch rauher zuging als in den zivilen Gefängnissen, und so wunderte es Arina kaum, daß im Lauf des Morgens plötzlich drei Aufseher in ihrer Zelle standen, die sie lüstern musterten. Schnell waren zwei an ihrer Seite und hoben sie vom Boden auf, so daß sie nun zwischen den Beiden stand, ihre beiden Arme jedoch im festen Griff der starken Kerle. Der Dritte hob ihr Kleid und begutachtete ihren Körper. „Nicht schlecht meine Herren“, äußerte er sich anerkennend, und als er ihre, von den Striemen der Gerte gezeichneten, Kehrseite gewahrte, „da hat sich ja erst kürzlich jemand vergnügt – schade, du hast eine so schöne weiße Haut, wie gerne hätte ich dir diese hübschen roten Striemen auf deinen Arsch gezeichnet. Aber deine Brüste sind ja auch noch da, und unberührt. Haltet sie mir gut fest, damit ich meine Peitsche hole …“, und mit diesen Worten wandte er sich schnell zum Ausgang der Zelle, wo er einem jungen Offizier begegnete.
„Was ist hier los? Was ist mit der Frau?“, fragte der Offizier, als er sah, daß Arina von den beiden Aufsehern festgehalten wurde und dabei halb entblößt war.
Die Armee war streng, aber einige ihrer Offiziere durchaus auf Sittlichkeit bedacht. Doch der Aufseher meinte nur abfällig: „Wir haben nur ein wenig Spaß mit dieser Nutte, und den wollen wir uns gerade nehmen – sie haben natürlich den Vortritt Herr Offizier“, meinte er scherzend und salutierte spaßhaft vor dem Offizier. Die anderen Beiden grinsten und feixten. Offensichtlich hatten alle Drei schon heftig dem morgendlichen Alkohol zugesprochen, und so bemerkten sie auch nicht, daß sie hier nicht an einen, derlei Dingen gewogenen, Offizier geraten waren.
Im Gegenteil handelte es sich hier um einen der jungen, noch vom jahrelangen, entbehrungsreichen Dienst nicht verschlissenen Offiziere, die frisch von der Militärakademie kamen, und noch Ideale besaßen.
„Sie werden die Frau sofort loslassen!“, befahl der Offizier in festem Ton, und wiederholte mit Nachdruck „Sofort!“.
„Was ist denn hier los?“, war plötzlich vor der Zelle eine weitere Stimme zu vernehme, die augenscheinlich von einem älteren Offizier herrührte.
Die drei Aufseher, die sich schon um ihr ´Vergnügen´ gebracht gesehen hatten witterten Morgenluft, denn diesen älteren Offizier kannten sie als einen mit gleichen Neigungen wie sie selbst. Schnell war die Situation klar, und da der ältere Offizier einen höheren Rang begleitete, wies er den jüngeren barsch per Befehl an zu verschwinden.
Doch diesem war sofort klar, was dies für die junge Frau im Folgenden bedeuten würde, und anstatt den Ort zu verlassen ging er schnell in die Zelle auf Arina zu. Als er vor ihr stand und ihr Gesicht im Dunkel des Kellers erkannte erstarrte er einen kurzen Moment; dann zog er seine Pistole. Im selben Augenblick war auch Arina erstarrt und es durchzuckte sie wie ein Blitz: der junge Offizier war Aleksandr – jener Aleksandr, den sie nie wieder zu sehen geglaubt hatte. Auch er hatte sie erkannt, doch blieb den Beiden kein süßer Moment der Wiedersehensfreude vergönnt, denn auch der ältere Offizier zog seine Waffe im Angesicht der Insubordination des Rangniedrigeren. Aleksandr schoß zuerst, und der ältere Offizier sank augenblicklich getroffen in sich zusammen. Die beiden Aufseher, die Arina bis zu diesem Zeitpunkt immer noch festgehalten hatten, ließen diese umgehend los, und suchten mit dem Dritten das Weite, rannten jedoch vor der Zelle in Soldaten, die aufgrund des Schusses aufgeschreckt worden waren. Auch sie zückten ihre Pistolen im Angesicht des sterbenden, alten Offiziers und des mit hochrotem Kopf und gezogener Pistole, schützend vor Arina stehenden, Aleksandrs. Ohne weiteres Zögern eröffneten sie das Feuer in Richtung Aleksandr, der nun ebenfalls noch einige Male in Richtung der Soldaten schoss.
Die Schüsse hallten durch das dunkle Gemäuer, bis die Soldaten alle Munition verschossen hatten. Dann war es plötzlich still.
Im sich langsam legenden Rauch fanden die Soldaten zwei ihrer Kameraden schwer verwundet neben dem toten älteren Offizier.
In der Zelle fanden sie auch Arina und Aleksandr …
… von vielen Kugeln getroffen …
… tot.
Libertineros 2013, 2025
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