Astarte

(Die Königin der Blumenmädchen – Teil 4)

Mit Hilfe des Tranks den Bigela und Flordelis von Kundry getrunken hatten, waren sie den irdischen Fesseln der Realität entwunden, und die drei Frauen entschwanden auf einem gewundenen Pfad unergründlicher Gedanken zu Klingsors Reich. Alsbald kamen sie an der Pforte zu seinen Zaubergarten an.

Noch vor Beginn der Reise hatte Kundry beiden Mädchen eingeschärft, bei allem was sie nun auf der Reise erleben würden, niemals ihre Stimme zu erheben, außer dass sie explizit zum Sprechen aufgefordert würden. Wenn sie auch nur ein Wort sprächen, so wäre ihr Leben in Gefahr. Kundry hatte ihnen die Folgen eines Ungehorsams in so grässlichen Farben dargestellt, dass Bigela und Flordelis der Schrecken in alle Glieder gefahren war.

Dessen erinnerten sie sich nun, als sie Zeuge davon wurden, wie Kundry sich beim Durchschreiten des Tores zum Zaubergarten wieder in die Gestalt eines jungen Mädchens verwandelte, und ließen kein Wort über ihre, vor Staunen geöffneten Münder, kommen.

Auch als sie die zauberhaften Blumen des Gartens und die Wunder seiner rauschenden Wasserfälle und weißen Pavillons gewahr wurden, verharrten sie in schweigendem Erstaunen. In weiser Voraussicht hatte Kundry neben ihrer Mahnung, dem Trank den sie vor der Reise verabreicht hatte, auch eine Prise des „Pulvers des Schweigens“ beigemischt, was es nun offensichtlich den Mädchen leichter machte den Mund zu halten.

Dieses Pulver hatte sie schon oft gegen gutes Gold an Ehemänner verkauft, die es leid waren, von ihren Weibern in Grund und Boden gezetert zu werden.

So durchquerten die drei schweigend den Zaubergarten, und kamen schließlich zu Klingsors Schloss. Außer ihnen selbst war niemand zugegen, doch alle Tore standen offen, so dass niemand ihnen begegnen musste.

Zielstrebig führte Kundry die beiden Mädchen in eine große Halle, und bedeutete ihnen, vor einem, am Ende der Längsseite aufgestellten, erhöhten Thron in die Knie zu gehen.

Es dauerte eine Weile, bis Klingsor in prächtigen Gewändern erschien. Wie ein König schritt er auf den Thron zu, und setzte sich, in seinen Händen als Zeichen seiner Macht eine symbolische Peitsche aus Gold haltend.

Lange betrachtete er die Mädchen, die vor seinem Thron knieten, und immer wieder wandte er seinen Blick auch zu Kundry, welche ihrerseits demütig die Augen zu Boden gerichtet hatte.

Mit dem Wiedereintritt in den Zaubergarten hatten sich auch die Schmerzen Kundrys von deren Auspeitschung wieder auf ihrem Po bemerkbar gemacht, und sie war sich sicher, dass wenn man sie entkleiden würde, immer noch kräftige rote Peitschenstriemen auf diesem zu sehen sein würden.

Dann erhob Klingsor seine Stimme und sprach:

„Ich sehe euch Sünderinnen, und ich weiß um die Katastrophe, die ihr in eurem Liebeswahn ausgelöst habt. Ein armer Bursche muss nun dafür büßen, dass ihr nicht in fairem Wettstreit euch eures Schicksals ergeben wolltet.

Nun gibt es nur eine Lösung, nämlich dass ihr in einem ernsten Wettstreit eure wahre Liebe beweist.

Als ich von eurer Verfehlung erfuhr, die aus rasender Liebe geboren wurde, habe ich für euch Astarte die mächtige Göttin der Natur, der Weisheit und der Liebe angerufen.

Heute Nacht, wenn die Sichel des Mondes zusammen mit der Venus am Himmel steht, werden wir ihren weisen Rat vernehmen.

Bis dahin wird jede von Euch getrennt in einer Kammer mit verbundenen Augen auf den Moment warten, in dem Astarte sich uns offenbaren wird.“

Kaum hatte Klingsor seinen Satz beendet, griffen unsichtbare Hände nach den beiden Maiden und zerrten sie aus dem Saal. Wie er es gesprochen hatte, wurde jede in eine karge, wenn auch saubere, Kammer gesperrt, die in ihrer Schlichtheit im krassen Gegensatz zu ihren prunkvollen Kleidern standen welche sie für die Reise angelegt hatten.

Von den vielen neuen Eindrücken überwältigt sanken beide schnell in einen traumlosen Schlaf.

Die Nacht brach an, und die gleichen unsichtbaren Hände, welche sie in die Kammer gesperrt hatten, holten die Maiden wieder ab, und brachten sie zurück in den Thronsaal. Dort stand Klingsor bereits vor seinem Thron, ganz in ein dunkelblaues Gewand gekleidet, auf dem Sternbilder mit silbernen Fäden eingestickt waren.

Obwohl die Maiden keine Kerzen oder Fackeln erkennen konnten, war der Raum in helles Licht getaucht. Allerdings handelte es sich um ein seltsam kaltes Licht, welches sie an das Mondlicht an kalten, klaren Tagen erinnerte, und das sie in seiner Eigentümlichkeit verwirrte.

Die unsichtbaren Hände drückten die Maiden in die Knie vor den Treppen zu Klingsors Thron, und kaum hatten sie den Boden erreicht, erschien ein eisblauer Blitz, der sich in das Gesicht einer wunderschönen Frau verwandelte.

Die Maiden erschraken ob des Geschehens, fanden aber ihre Zungen immer noch gelähmt, und waren dadurch gebannt den Worten zuzuhören, welche aus dem Bild vor ihren Augen gesprochen wurden:

„Ihr habt Astarte angerufen, und hier bin ich, das Gericht der Göttin über euch zu bringen. Hört meine Worte und begreift sie wohl:

Ihr Maiden werdet beweisen müssen, welche von euch es wert ist, trotz eurer Verfehlungen den Mann eurer Liebe zu gewinnen.

Dazu werdet ihr abwechselnd gepeitscht werden, und zwar jeweils mit sechs und sieben Peitschenhieben auf jenes Körperteil, das der Mann eurer Liebe am meisten schätzt.

Die ersten sechs Hiebe sind jeweils die Strafe für eure Ungeduld, denn sie stehen für das Zeichen der Finsternis. Die darauffolgenden sieben Hiebe sollen euch läutern und würdig machen erneut in den Wettstreit einzutreten. Sie sind das Zeichen des Lichts.

So eine von euch jeweils diese dreizehn Peitschenhiebe ertragen hat, wird sie ihren Platz auf dem Altar der Züchtigung der anderen räumen, und dies im Wechsel so lange, bis eine von euch aus eigenem Willen aufgeben wird, und damit auf immer ihren Anspruch auf den geliebten Mann verwirkt.

Als unparteiische Vollstreckerin wird meine treue Dienerin Izebel nach mir erscheinen. In ihre Hände übergebe ich euch. Sie wird auch den Schiedsspruch fällen und bestimmen welches Los jene treffen wird, welche den Wettstreit verliert.“

 

Nach diesen Worten verblasste das Bild vor den Augen der Anwesenden, und an seine Stelle trat ein Nebel, aus dem heraus eine von kaltem Licht umstrahlte Frauengestalt in einem bläulich leuchtenden Gewand erschien. Um die Arme und über ihren Nacken geschlungen, wand sich eine Schlange, welche, nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, langsam über den rechten Arm der Erscheinung hinabkroch, und die keine andere als die angekündigte Izebel war, jener geheimnisvollen Dienerin der Astarte.

Mit großen Augen blickten die Maiden auf diese erneute Erscheinung, und hatten noch gar nicht die Worte realisiert, welche Astarte zuvor gesprochen hatte. Wie gebannt blickten sie auf die Schlange an der Hand der Izebel.

„Wir grüßen euch Izebel …“, sprach Klingsor würdevoll,“… und eure Gefährtin Tiamat …“, womit er auch die Schlange ansprach, „… seid willkommen, und verrichtet euer Werk, wie die Göttin Astarte es uns versprochen hat“.

Klingsor zog sich nun an den Rand seines Thronsaals zurück, wo auch Kundry sich kniend befand.

Izebel nickte kurz würdevoll, und mit einer Handbewegung verwandelte sie den Raum in ein gleißendes, warmes Licht, das wiederum weder von Fackeln noch von Kerzen herzurühren schien, dafür jedoch umso mehr den Charakter eines lodernden Feuerscheins hatte.

Nach einer weiteren Handbewegung verschwand der Thron und an seiner statt erschien an der zentralen Stelle des Thronsaals ein steinerner Altar, auf dem eine Eule saß.

„Streckt eure rechte Hand aus“, befahl Izebel den beiden Maiden, welche dies umgehend befolgten, und starren Blickes beobachteten, wie die Eule sich vom Altar erhob, und auf die beiden Maiden zuflog.

Die Eule umkreiste dreimal die beiden jungen Frauen, bis sie sich schließlich auf der Hand von Flordelis niederließ.

„Komm herauf, Flordelis, sprach Izebel, „die Eule hat bestimmt, dass du die erste sein wirst.“

Eingeschüchtert durch die seltsamen Ereignisse, folgte Flordelis zögernd den Worten Izebels. welche ihr, am Altar angekommen ein rotes Seidenband in die Hand gab.

„Dieses Band sollst du in deiner rechten Hand halten. Lässt du es fallen, so signalisierst du damit das du aufgeben, und auf den Geliebten verzichten möchtest. Dann wird deine Pein zu Ende sein“, und fügte weiters hinzu, „entledige dich nun all deiner Kleider, und beuge dich über den Altar der Schmerzen“.

Flordelis gehorchte, und alsbald hatte sie sich vollständig entkleidet, und über den Rand des steinernen Altars gelegt. Dieser schien nun ganz aus Kristall geformt zu sein, und glitzerte in mannigfaltigen Facetten, bestrahlt durch den Feuerschein im Raum. Und doch fühlte er sich an wie Eis.

Zitternd vor Angst erwartete Flordelis das weitere Geschehen, welches nicht lange auf sich warten ließ, denn in den Händen der Izebel hatte sich die Schlange Tiamat nun in eine lange Peitsche verwandelt. Mit aufgerissenen Augen beobachtete Bigela, wie Izebel mit der Peitsche Tiamat weit ausholte, diese über den Kopf schwang, und mit lautem Knallen auf Flordelis Po auftreffen ließ.

Umgehend erschien an der Stelle welche die Peitsche die Haut getroffen hatte ein roter Striemen, und Flordelis schrie auf.

Es war nicht das erste Mal, dass Flordelis in ihrem Leben gezüchtigt wurde. Und ihr Po hatte auch bereits die Bekanntschaft mit einer Peitsche gemacht, welche der Kaufmann Baldemarus, wenn auch nur in seltenen Fällen gewählt hatte, um ihr gewisse Ungehorsamkeiten auszutreiben. Doch einen Schmerz, wie er von der Peitsche Tiamat ausging, war ihr bislang noch nicht widerfahren.

Izebel ließ einen Moment verstreichen, bis sie den zweiten Peitschenhieb folgen ließ, der wiederum die gleiche Reaktion hervorrief. Und so ging es fort, bis die ersten sechs Hiebe der Bestrafung erfolgt waren. Danach glaubte Flordelis noch nicht einmal die ersten dreizehn Hiebe ertragen zu können. Doch in keinem Fall wollte sie sich der Bigela kampflos ergeben. Immerhin sollte diese ebenfalls die Peitsche zu spüren bekommen. Wer konnte schon sagen, ob Bigela das überhaupt aushalten würden, wenn sie auch den breiteren Hintern hatte, der augenscheinlich deutlich besser gepolstert war, als jener von Flordelis. Aber zunächst musste sie selbst durchhalten.

Zu Flordelis Erstaunen war der siebente Peitschenhieb leichter zu ertragen, wenn auch sich das Knallen in keiner Weise von den Vorangegangenen unterschied.

Mit jedem weiteren der nachfolgenden Hiebe schien es ihr sogar leichter zu werden, diese zu ertragen, auch wenn sie jedem Peitschenhieb einen Schrei folgen ließ, und ihr Po von den zunehmenden Schmerzen brannte.

Endlich war der dreizehnte Hieb erreicht, und Flordelis wurde geheißen, sich zu erheben, und den Platz freizumachen für Bigela, welche nun zum Altar der Schmerzen hinaufsteigen musste.

Auch Bigela erhielt ein rotes Band, musste sich entkleiden, und über den kalten Kristall beugen, so das ihr kräftiges Hinterteil nun im lodernden Licht des unsichtbaren Feuers leuchtete.

Wieder begann Izebel die Peitsche Tiamat zu schwingen, und obwohl sich Bigela vorgenommen hatte, sich von Anfang an von Flordelis dadurch abzusetzen, dass sie eisern schweigen, und keinesfalls schreien wollte, so brauchte die Peitsche Tiamat nur drei Hiebe, um auch Bigela zum Weinen zu bringen, und ihr schließlich mit Vollendung der sechs Strafhiebe einen spitzen Schrei zu entlocken.

Doch auch Bigela bemerkte, dass es ihr bei den nachfolgenden sieben Peitschenhieben leichter fiel die Schmerzen zu ertragen, wenn auch ihre Tränen reichlich flossen.

Die erste Runde war damit abgeschlossen, und nun war es erneut an Flordelis zum Altar der Schmerzen heranzutreten.

Diese hatte sich inzwischen ein wenig beruhigt, und war sogar zuversichtlich, da Bigela offensichtlich ebenfalls heftig unter den Peitschenhieben gelitten hatte. So beugte sie sich wiederum gefasst über den kristallenen Altar, und erwartete den Beginn der erneuten Auspeitschung.

Das Knallen der Peitsche Tiamat kündigte vom Beginn des nächsten Abschnitts, und wieder waren die ersten sechs Peitschenhiebe so unerträglich wie beim ersten Mal, so das Flordelis nur darauf hoffen konnte, die Nachfolgenden würden wiederum leichter werden, sodass sie bis zum Ende der dreizehn Hiebe würde durchhalten können.

Doch der siebente Hieb war diesmal genauso heftig, ja fast noch heftiger als die sechs zuvor, und Flordelis war nahe daran allen Mut sinken zu lassen. Ihr Po erschien ihr als ein wahres Flammenmeer, das vor der Schlange durchgepeitscht wurde. Flordelis schwamm in diesem Meer der Schmerzen und wurde allmählich davongetragen, so dass sie die folgenden Hiebe gar nicht mehr als Einzelne wahrnahm. Es überraschte Flordelis sogar, als Izebel sie nach Erreichen der zweiten Dreizehn erneut dazu aufforderte, ihren Platz für Bigela zu räumen.

Bigela nahm sich diesmal fest vor sich das Bild des Barthel vors Gesicht zu rufen, und nur noch an ihn zu denken, bis auch sie die weiteren dreizehn Peitschenhiebe überstanden haben würde, in der Hoffnung, dass die inzwischen wild schluchzende Flordelis danach aufgeben würde.

Doch ihr Vorsatz währte nicht lange, denn die Peitsche Tiamat brach wiederum schon nach drei Hieben all ihren Widerstand. Die Flammen des Raumes schienen nun auch auf Bigelas Po unaufhörlich zu wüten, und keine Tränen der Welt schienen diese Feuersbrunst löschen zu können. Nun hoffte auch Bigela darauf, dass es wie zuvor ab dem siebenten Peitschenhieb erträglicher werden würde, doch auch sie wurde enttäuscht. Im Gegensatz zu Flordelis wurde sie jedoch nicht in eine Welt der Trance weitergetragen, sondern nahm weiter jeden einzelnen Peitschenhieb in seiner vollen Wucht und Stärke wahr. Nur mit größter Anstrengung konnte Bigela sich zurückhalten das rote Band in ihrer Hand fallen zu lassen, und damit ihre Aufgabe zu signalisieren.

Endlich war sie erlöst, und durfte ihren Platz wiederum für Flordelis freimachen, deren Blick inzwischen seltsam entrückt in die Ferne starrte.

Langsam schritt Flordelis wieder auf den Altar zu, fest das rote Band in ihrer Hand umklammernd. Als sie sich wiederum über den Kristall gebeugt hatte, und erneut die strafenden sechs Peitschenhiebe der Tiamat auf ihren Po knallten, konnten alle Anwesenden das Flammenmeer lodern sehen. Doch diesmal kam kein Laut mehr über Flordelis Lippen. Nur ein Stöhnen, das wie aus Urtiefen heraufzusteigen schien folgte jedem weiteren Knall der Peitsche. Schien es ihr plötzlich, als sei es doch Barthel selbst, welcher die Peitsche führte? War er es nicht, der sie in seiner Liebe zu ihr peitschte? Würde er nicht nach der erfolgten Pein sie in die Arme nehmen und lieben? Würde er nicht ihren heißen Po mit seinen starken Händen liebkosen, und sein Becken an ihrer gepeinigten Haut reiben. Mit einem Mal durchfloss es Flordelis mit einer ungekannten Wonne, und ein weiteres abgrundtiefes Stöhnen entwand sich ihrem Mund.

Bigela hoffte, dass Flordelis jetzt bald aufgeben würde, denn offensichtlich hatte sie sich in ihr Schicksal ergeben, und wollte keinen Widerstand mehr leisten. Doch Bigela täuschte sich, denn das Stöhnen nahm zunehmend den Ton der Wollust an, welche sich in das Meer der Schmerzen mischte. Und so blieb es die ganzen weiteren Peitschenhiebe hindurch, bis wiederum dreizehn vollendet waren, und es an Bigela war, den Platz auf dem kristallenen Altar einzunehmen.

Hatte Bigela sich wiederum vorgenommen, ihrerseits nun das Flammenmeer tapfer zu durchschreiten, und einfach die Schmerzen auf ihrem Po zu ignorieren, so biss Tiamat nun umso heftiger zu, so das Bigela es nicht mehr ertragen konnte.

Vor ihren Augen blitzte kurz das Bild des Barthel auf, wie er selbst hinter ihr stand, Bigela sich selbst an einen Balken in einem Raum gefesselt wahrnehmend, und eine Peitsche in den Händen des Barthel wieder und wieder ihre zarte Haut peinigend.

Ein unerträgliches Bild, das ihren Kopf durchzuckte.

Dieses Bild vor Augen, und fast schon wahnsinnig geworden durch die flammenden Schmerzen auf ihrem Po, ließ Bigela nach dem siebenten Hieb das seidene Band aus ihren Fingern gleiten, worauf Tiamat sich zurückverwandelte in eine schlanke Schlangengestalt, und sich wiederum über Arme und Nacken von Izebel wandt.

„Steh auf Bigela, sprach Izebel, „du hast tapfer gelitten, doch die Liebe von Flordelis war stärker. Sie wird zurückkehren, doch dein Los wird es sein, hier auf ewig die Sklavin Klingsors zu sein. Doch verzage nicht, die Blumenmädchen werden dich trösten“, und im nächsten Moment stürmten eine Menge Blumenmädchen in den Raum, und führten die verzweifelt weinende, immer noch nackte, Bigela aus dem Saal.

„Du, Flordelis, hast dir den Preis errungen, denn du hast nicht nur der strafenden Hiebe alle ertragen, sondern dich auch in alle Schmerzen der Reinigung ergeben. Hierin …“,
und damit überreichte Izebel Flordelis eine kleine Phiole,
„… ist der Trank, welcher deinen Geliebten wieder gesund werden lässt“.

Mit diesen Worten löste sich die Gestalt der Izebel mitsamt der Schlange Tiamat in einen sich zunehmend verwirbelnden Nebel auf, und entschwand den Blicken, wie sich auch der kristallene Altar wieder zurück verwandelte in den Thron Klingsors.

Das flammende Licht wich einer warmen ruhigen Atmosphäre, in welcher alle Tränen versiegten. Kundry bedeutete Flordelis, dass diese sich nun wieder ankleiden könne.

Klingsor selbst trat nun an Flordelis heran und sprach: „nun geh, und schweige für immer über alles, was du hier gesehen und erlebt hast. Es wäre dein Tod und ewige Verdammnis, wenn auch nur ein Wort davon über deine Lippen käme.
Und sei unbesorgt über deine Widersacherin – ihr Schicksal ist es, auf ewig meine Sklavin zu sein. Sie wird nicht in deine Welt zurückkehren, und sie wird deine Kreise nie wieder stören. Kundry, bringe sie zurück!“

Mit diesen Worten schickte er Flordelis fort, und wartete bis Kundry mit Flordelis den Saal verlassen hatte.

Dann schickte er nach Bigela und den Blumenmädchen. Diese hatten Bigela in der Zwischenzeit in einem nahen, von duftenden Blumensträuchern umsäumten, Teich zunächst gebadet, und danach den flammenden, schmerzenden Po der Bigela mit einer lindernden Salbe behandelt.

So waren ihre Tränen langsam versiegt, auch wenn ihre Verzweiflung ob des verlorenen Geliebten zunächst all ihre Gedanken durchzog. Doch war es ihr, als würde jeder einzelne, schmerzliche Gedanke, der ihren Kopf durchzog unmittelbar danach vergessen, und aus ihrem Gedächtnis verschwinden. Und bald hatten die Blumenmädchen für Bigela auch ein luftiges Kleid in kräftigen bunten Farben gebracht, welches Bigela schöner aussehen ließ, als je zuvor.

Im Spiegelbild des Teiches sah sich Bigela inmitten der Blumenmädchen, und sog den süßen Duft der Blumen in sich ein, so als würden diese ein neues Leben in sie hauchen. Zu ihrem Erstaunen schien die Salbe den Schmerz schnell zu lindern, und Bigela atmete tief durch, während sie die schweren Gedanken des Verlustes immer weiter verließen. Das Bild des Barthel hatte sie schon fast vergessen, und dachte sich ´soll Flordelis ihn haben – wer weiß was sie an ihm haben wird´.

Bigela entglitt die Zeit und es war ihr, als würde sie in einen Traum eintauchen. Ein Traum, in dem alle Schwere von ihr abfiel und sie im fröhlichen Reigen mit den lachenden und scherzenden Blumenmädchen um sie herum tanzte. Bald waren all ihre Schmerzen verschwunden.

Waren es Stunden, Tage oder Wochen gewesen, Bigela konnte es nicht sagen, doch mit der Zeit schwand die Erinnerung an ihr bisheriges Leben als Tochter des Kirchenbaumeisters, als die Blumenmädchen sie an der Hand nahmen und zurück in den Palast des Klingsor führten.

Vor Klingsors Thron gebracht, verkündete dieser ihr zukünftiges Schicksal:

Bigela, du hast dich als würdig erwiesen, den grausamen Wahrheiten des Lebens ins Auge zu sehen, ebenso wie du nach den Schmerzen in neuer Schönheit erblüht bist.
Für die Welt der Sterblichen bist du nun entrückt, doch hast du für deine Tat gebüßt.
Ich sehe dich als stark in deiner Schwäche, und du wirst mir Starke fällen, wie es deine Vorgängerin nicht vollbrachte.
Du wirst die neue Königin der Blumenmädchen sein!“

Während dieser Rede waren immer mehr Blumenmädchen in die Halle geströmt, und brachen nun in lauten Jubel aus, während Klingsor der vor ihm knienden Bigela eine aus der Luft herbeigezauberte goldene Krone auf ihr Haupt setzte, und sie damit zur Königin der Blumenmädchen krönte.

 

Epilog

Flordelis war mit Kundry heimgekehrt. Wie zuvor hatte sich beim Durchschreiten der Pforte und dem Verlassen des Reiches von Klingsor die Gestalt von Kundry wieder in ein altes Weib verwandelt, während Flordelis bemerkte, dass plötzlich alle ihre Schmerzen verschwunden waren.

Tatsächlich waren auch im Spiegel keinerlei Spuren der Peitsche mehr zu erkennen, und es erschien Flordelis, als habe sie alles nur geträumt.

Kundry ließ Flordelis jedoch nicht sogleich heimkehren. Stattdessen schickte sie Urug, ihre Eule, mit einem Pergament zu Ekkehard dem Einsiedler.

Nun war Ekkehard einerseits ein frommer Mann und von den Mönchen in deren Kloster er einst als Abt residiert hatte, hoch verehrt. Andererseits hatte er in der Abgeschiedenheit seiner Einsiedelei genügend Weisheit gefunden die Welt um ihn herum auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. In diesem Zusammenhang hatte sich zwischen Kundry und ihm ein Band des gegenseitigen Respekts entwickelt, auf das Kundry nun bauen konnte.

Ekkehard nun brachte Flordelis zu den Mönchen seines vormaligen Klosters und erklärte, wie Kundry es ihm dargestellt hatte, dass sie die einzige Entkommene eines Überfalls marodierender Muselmanen sei, die sie – Kundry – im Wald gefunden und aufgenommen habe.

Die Mönche wiederum brachten Flordelis wieder zurück in ihre Stadt, und alsbald ging auch das Gerücht in der Stadt um, dass Sklavenhändler aus Arabien Bigela verschleppt, und an einen fernen, verwunschenen Harem eines Sultans verkauft hätten.

In den folgenden Wochen beruhigten sich die Gerüchte und die Menschen kehrten wieder zu ihrem gewohnten Alltag zurück.

Immer mehr erschien Flordelis alles nur noch wie ein Traum gewesen zu sein, und sie hütete sich irgendjemandem auch nur ein Wort davon zu erzählen.

Geschickt hatte sie es verstanden mit ihrer Mutter einen unverfänglichen Krankenbesuch bei Barthel zu machen, und ihm in einen unbeobachteten Moment den Trank in seinen Becher zu füllen.

Ab diesem Zeitpunkt ging es Barthel mit jedem Tag besser, und kaum zehn Tage später schien alle Krankheit von ihm abgefallen zu sein. Im Gegenteil schien er stärker und klüger als je zuvor.

Neben seiner handwerklichen Geschicklichkeit und Stärke entwickelte er mathematische Künste zur Berechnung kühnster baulicher Pläne, so dass selbst der Kirchenbaumeister Mühe hatte ihm zu folgen.

Da nun seine eigene Tochter verschwunden war, neidete er Barthel nicht seine baldige Verlobung mit Flordelis, sondern spendete selbst seinen Segen, und stellte Barthel in Aussicht, bald sein Nachfolger als Kirchenbaumeister zu werden.

Nur wenige Monate gingen ins Land, und Flordelis und Barthel traten vor den Traualtar.

Flordelis war damit am Ziel all ihrer Wünsche, und sie lebten fortan glücklich und zufrieden, …

… wobei niemand erfahren muss, dass Barthel von Zeit zu Zeit Gefallen daran fand vor dem ehelichen Vergnügen den Po seiner Flordelis mit einer kleinen Peitsche zum Erröten zu bringen, und Flordelis dies als ganz besonderen Liebesbeweis zu schätzen wusste.

Postscriptum

Liebe Freunde,

wie Ihr nun erfahren habt, hat das Märchen seinen glücklichen Abschluss gefunden, wie es denn auch so üblich ist.

Nicht verschweigen möchte ich allerdings, dass mir ein Raunen zu Ohren gekommen ist, dass die Zeit des eitlen Sonnenscheins in der Ehe von Flordelis und Barthel nicht immer ungetrübt blieb. Denn nachdem Barthel als Nachfolger des alten Kirchenbaumeisters nunmehr neben Reichtum auch Ehre und Ansehen gewonnen hatte, konnte er so mancher Versuchung nicht widerstehen und fand sich wohl von Zeit zu Zeit im Bett anderer Weiber wieder.

Doch das ist eine andere Geschichte, und wenn ich mehr darüber in Erfahrung bringen kann, so werde ich zu gegebener Zeit davon berichten.

Wenn jemandem gleichsam neuere Kunde von Flordelis und Barthel oder gar Bigela, Kundry und Klingsor zu Ohren gekommen sein sollte, so möge er es mir freundlichst mitteilen, so dass ich es sammeln und wiederum Anderen verkünden kann.

 

Libertineros        2021, 2025

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