In Klingsors Zaubergarten
(Die Königin der Blumenmädchen – Teil 3)
Eine schlaflose Nacht und die Suche nach Hinweisen in ihren Zauberbüchern und alten Pergamenten, wie man die fatale Wirkung der zweimaligen Anwendung des Trankes wieder rückgängig machen könnte, brachten Kundry nicht weiter. Die Schriften schwiegen sich aus, und so entschloss sie sich auf den Weg zum ihrem Zaubermeister Klingsor zu machen.
Nur wenige auf der Welt wussten wie man zu ihm
gelangen konnte, doch Kundry war eine davon. Sein
Reich lag verborgen vor den gewöhnlich Sterblichen in einem lieblichen,
immergrünen Tal voller Blumen, und in dem Moment, wo Kundry
das Tor zu Klingsors Welt durchschritt, verwandelte
sich ihre Gestalt von der alten Muhme in ein junges Mädchen, voller Liebreiz
und Anmut. Auch ihre verlotterten Kleider waren verschwunden, und sie trug nun
ein luftiges, weit schwingendes Kleid.
Ein warmer Wind erfüllt von Blumenduft umhüllte sie, und führte sie schnellen
Schrittes zum Schloss Klingsors, dass inmitten der
Blumenwelt sich erhob.
Dieser kam ihr schon entgegen, denn er hatte bereits Kunde von Kundrys Missgeschick erhalten, und war darüber überaus
erzürnt.
„So hast du
also wieder einmal entgegen meinem Rat gehandelt, und innerhalb eines Jahres
mehr als nur einem Weib den Trank des Verlangens überlassen. Ich bin erstaunt, dass du noch nicht einmal
auf die Idee gekommen bist zu prüfen, wem genau du den Trank überlässt?
Hast du vergessen, dass ein Rat von mir eine strenge Anweisung ist, die du
stets und unter allen Umständen einzuhalten hast?
Immer bist du die Grenzgängerin zwischen den Welten, störrisch hier und
lieblich dort, eigensinnig und doch klug. Doch nicht klug genug, und nun kommst
du zu mir, dass ich dir helfe das von dir angerichtete Unheil wieder rückgängig
zu machen“.
Kundry hatte bereits damit gerechnet, dass Klingsors Empfang sehr kühl werden würde, was für sie sehr schmerzhaft war, da der von wunderbarem Blumenduft erfüllte zauberhafte Garten Erinnerungen in ihr aufsteigen ließ, die von fernen, frohen Zeiten kündeten.
Sie wusste, dass, obwohl sie selbst nun in aufreizend schöner Gestalt vor Klingsor stand, dieser für ihre Reize nicht empfänglich sein würde, und sein Groll auch durch noch so deutlich ausgedrückte Ergebenheit nicht zu beseitigen war.
So war sie denn auch nicht verwundert, dass
alsbald viele unsichtbare Hände nach ihr griffen und zu einer bestimmten Stelle
im Zaubergarten schleppten. Dort rissen ihr die geisterhaften Hände das luftige
Gewand vom Leib, und Kundry wurde über einen Altar
aus Stein inmitten hoher Eichen gebunden.
Nackt stand sie so gebeugt den Blicken einer Schar herbeigelaufener junger
Mädchen ausgeliefert, die aus den umliegenden Blumenbeeten herzugeeilt waren.
Auch sie war einst ein solches Blumenmädchen in Klingsors Zaubergarten gewesen. Ein Garten, der vom mächtigen Magier Klingsor geschaffen worden war um ausgewählten Sterblichen in ihren Träumen einen kurzen Blick auf das zu gönnen, was diese aus der Sicht ihres kümmerlichen Lebens als Paradies zu bezeichnen pflegten.
Ein Trugbild an das die Menschen glaubten, welche in der Mühsal ihres täglichen Lebens gefangen waren, und hofften, nach ihrem Tod als Belohnung für erduldete Pein, Entsagung und Enthaltung, auf ewig einziehen zu können.
Waren die Blumenmädchen des zauberhaften Gartens auch zeitlos schön und in ihren Gewändern anmutig, nie alternd, und in einem ewig währenden wonnigen Rausch, so waren sie doch alle von Klingsors Macht beherrscht, der keinen Widerspruch duldete und Ungehorsam grausam zu bestrafen wusste.
Kundry war es noch sehr wohl im Gedächtnis, dass auch im paradiesischen Zaubergarten die Peitsche regieren konnte, wenn eines der Blumenmädchen es sich erdreistete Ungehorsam gegenüber Klingsor zu zeigen.
Mehr als einmal hatte sie in ihrer Zeit als Blumenmädchen der Züchtigung einer ungehorsamen Maid beigewohnt, welche sich verbotenerweise in ihren menschlichen Traumpartner verliebt, und in die Unendlichkeit des Blumengartens dauerhaft hatte hinüberretten wollen.
All dies kam nun in wieder in die Erinnerung von Kundry, während sie ihrem Schicksal ergeben auf dem Steinaltar auf den Beginn ihrer bevorstehenden Buße wartete.
Mit einem Zauberspruch rief Klingsor eine Peitsche herbei, welche alsbald über dem Altar mit der gebundenen Kundry erschien und danach in eine Position schwebte, von der aus die Bestrafung erfolgen konnte.
Von unsichtbarer Hand in der Luft gehalten, und von Klingsors unbarmherzigen Gedanken geführt traf Kundry schon bald der erste Peitschenhieb, und all die Erinnerungen an vergangene Zeiten kamen noch deutlicher vor ihre Augen.
Gebannt schauten die Blumenmädchen auf den rötlichen Striemen auf Kundrys Po, welchen die Peitsche hinterlassen hatte, und ein nervöses Rascheln ging von ihren luftigen Kleidern aus, die den herrlichen bunten Farben der umstehenden Blumen in nichts nachstanden.
Wie hatte Kundry ihre Zeit als Blumenmädchen genossen, in diesem Wundergarten der überfließenden Wonnen und betörenden Liebesdüfte.
Der nächste Peitschenhieb zwang Kundry zurück aus ihren Träumen in die harsche Wirklichkeit.
Sechs mal sieben Peitschenhiebe würde sie erdulden müssen, denn das war Klingsors ehernes Maß, gebildet aus der Zahl „sechs“ der Teufel und „sieben“, welche den Gottheiten zustand.
Kundry war Klingsors Blumenkönigin gewesen, die schönste und verführerischste unter allen seinen Blumenmädchen, und er hatte sie seine eigene Zahlenmystik gelehrt.
Wie oft hatte er sie vor der Dreizehn gewarnt, der Zahl der Verräter und Verstoßenen, derer sie selbst eine geworden war.
Wieder traf Kundry die Peitsche und warf sie durch ihre Wucht an den kalten Stein des Altars. Durch ihre Nacktheit konnte Kundry den Stein direkt an ihrem Schoß fühlen.
In ihren Gedanken zählten viele der Blumenmädchen
die Peitschenhiebe mit, und fühlten gleichsam die Ermahnung, welche die roten
Striemen auf Kundrys verführerischem Hinterteil
hinterließen, in ihren eigenen Gedanken zur Wirkung zu kommen.
Jene Ermahnung, welche Kundry ihrerseits zu oft
ignoriert hatte, bis die Geduld Klingsors erschöpft
gewesen war, und er sie aus seinem Blumengarten vertrieben hatte.
Die Peitsche, von der Kundry ohne es sehen zu können wusste das sie durch keine Hand, sondern nur durch Klingsors Willen gelenkt wurde, schien ihre Anstrengungen zu verstärken, Kundrys Schoß immer heftiger dem kalten Stein zuzutreiben: ein weiterer Peitschenhieb erschien ihr sehr viel heftiger als alle zuvor.
Das laute Knallen der Peitsche ließ die Blumenmädchen jedes Mal erschrocken in sich zusammenfahren; einige nahmen sich bei den Händen.
Scharf fuhr die Peitsche über Kundrys Haut, zwar ohne diese blutig zu verletzen, doch hinterließ die Peitsche ein Feuer, das kein kühles Wasser und kein Balsam der Welt hätte löschen können.
Dafür schien der Stein des Altars sich eiskalt an Kundry anzuschmiegen – sicher eine weitere Teufelei von Klingsor um Kundrys Qualen zu verstärken - was diese insbesondere an ihren nackten Brüsten spürte, welche mit jeder Bewegung auf dem harten Stein rieben.
Diese Brüste, mit denen sie hatte verführen sollen …
Mit dem dreizehnten Peitschenhieb kam die schmerzhafte Erinnerung an Kundrys Versagen zurück.
War sie als Blumenkönigin doch das wichtigste Blumenmädchen in Klingsor Garten gewesen, der kein Mann hatte widerstehen können, weshalb nur die kühnsten Recken und Ritter, ja sogar ein König, in ihren Träumen zu ihr gerufen worden waren.
Jener König, den sie in seinem frommen Weltbild zur Sünde verführt hatte, und der daraufhin die leichte Beute Klingsors geworden war. Verwundet durch einen vergifteten Speer war der König zu schwach geworden seine tyrannische, lust- und sinnenfeindliche Autorität aufrecht zu halten, und sein Volk hatte daraufhin eine nie dagewesene Freiheit genossen.
Erneut traf die Peitsche den gepeinigten Leib von Kundry.
Der König, dessen Namen sie noch nicht einmal mehr zu denken wagte. War er ihr doch gänzlich verfallen und abgelenkt aus seinem Traum erwacht, und hatte in der Folge dadurch jegliche Macht in der realen Welt verloren.
Dies war ihr größter Triumph gewesen, doch dann …
Unaufhörlich trieb die unsichtbare, durch Klingsors Macht gelenkte, Hand die Peitsche an, Kundrys Po weiter zu verheeren, und um das Feuer, von welchem Kundry dachte, dass es nicht noch zu steigern sein würde, immer weiter anzuheizen.
… doch dann war jener unselige Tag gekommen, an dem Klingsor ihr den gefährlichsten Ritter als Beute zugedacht hatte. Gefährlich, weil er sich selbst erkannt und seiner Schwäche gewahr, von der Torheit zur Tugend gefunden hatte, und damit die Kraft des von Klingsor entmachteten Königs hätte übernehmen können.
Unbarmherzig erreichte die Anzahl der Peitschenhiebe nun die einundzwanzig, und obwohl die Mater damit bereits zur Hälfte erfüllt war, fand Kundry keine Hoffnung in diesem Moment.
Der Schmerz der von ihrem Po ausging, steigerte noch den Schmerz ihrer Seele: den Schmerz des Versagens, weil es ihr nicht gelungen war, den Ritter, der bereits nackt in ihre Arme gesunken war, bereit seine Unschuld zu verlieren, und damit den göttlichen Schutz seiner Naivität einzubüßen, vollends zu verführen.
Wieder grub sich die Peitschenschnur in Kundrys Po und fieberfeurige Strahlen des Schmerzes durchzogen ihren ganzen Körper.
Hatte sich der Ritter doch bereits an ihren vollen Brüsten gelabt, und ihre Hände begierig seine Manneskraft in Empfang genommen …
… jene Brüste, die nun nach bereits über dreißig Peitschenhieben wund von der Berührung mit dem eiskalten Stein des Altars geworden waren, …
… doch wollte sich sein Speer nicht aufrichten und bereit für den Kampf der Liebe machen. So sehr Kundry sich auch Mühe gegeben hatte, alle Kunst ihrer Hände war vergebens gewesen. Und auch ihr Mund und ihre Zunge hatten den müden Recken des Ritters nicht bewegen können. Und anstatt wie jeder andere, den sie zuvor bezwungen, in siegreichem Strahl das Liebespfand zu versprühen, war jener Ritter vorzeitig aus seinem Traum erwacht.
Kein Liebeswahn, keine Ablenkung waren im Gedächtnis des Ritters zurückgeblieben. Gar keine einzige Erinnerung an sein nächtliches Treffen mit Kundry konnte ihn mehr von einem zunehmenden Tugendwahn abhalten.
Anstelle in wahnsinniger Liebe zu Kundry zu verfallen, und verwirrt alsbald im nächsten Kampf getötet zu werden, war der Ritter in seinem Bewusstsein gestärkt die alleinseligmachende Weisheit gefunden zu haben, nach der es für alle Menschen nur einen Weg gäbe: den der Frömmigkeit und Enthaltsamkeit.
Aus seinem Schlaf erwacht, hatte dieser spröde Ritter sich entschlossen den Kampf für seine Wahrheit aufzunehmen, und nicht länger zu ruhen, als bis er selbst König und Gebieter über das ganze Reich sein würde. In seinem Wahn hatte er sich vorgenommen die ganze Welt mit seiner Sicht der Wahrheit zu erretten – ein wahrhaft reiner Tor.
Mit jedem Peitschenhieb wurde sich Kundry ihrer lange erfolgreich verdrängten Schuld wieder bewusst, dass es ihr Versagen gewesen war, dass so viel Entsagung und Leid über das freiheitsliebende Volk des Reiches des Ritters gebracht hatte.
Denn dem Ritter, der ihr widerstanden hatte, gelang es den alten König, den sie zuvor so erfolgreich zur Glückseligkeit verführt hatte, zu entmachten, und eine freudlose Herrschaft zu errichten, in der es für seine Untertanen kaum Freiheit, Lust und Liebe, dafür aber umso mehr Tugend, Enthaltsamkeit, Entbehrungen und Not gab.
Kundry war als Folge ihres Versagens von Klingsor aus dem Zaubergarten vertrieben worden, und musste für ihn fortan Dienste im Reich der Sterblichen verrichten. Ausgestoßen aus dem Reich der Blumen und dazu verurteilt von ihrer Umgebung als Hexe gefürchtet, verachtet aber niemals geliebt zu werden.
Die letzten sieben Hiebe ihrer Bestrafung erlebte Kundry nur noch in Trance, während die Bilder ihres Versagens an ihr vorbeizogen.
Der Zaubergarten war für sie zum Garten der Schmerzen geworden.
Die von unsichtbarer Hand geführte Peitsche verschwand wie sie gekommen war, und zurück blieben nur die Blumenmädchen, welche immer noch den steinernen Altar umstanden.
Während einige weinten, bemühten sich die anderen, die immer noch in Trance verweilende Kundry zu einem Blumenbeet zu geleiten, wo sie jene in ein Meer von Blüten betteten, in welchem Kundry, begleitet vom heiß lodernden Feuer in ihrem Körper, langsam in einen traumlosen Schlaf hinüberglitt.
Aus diesem Schlaf küsste sie Klingsor nach einiger Zeit wach, und eröffnete ihr, was sie selbst schon vermutet hatte: nämlich das durch die zweifache Anwendung des Trankes Barthel hatte Irre werden müssen, und das es nur eine einzige Lösung gab, diesen wieder gesund zu machen.
Sie solle so schnell als möglich die beiden verliebten Frauen zu ihm bringen, dann würde er alles Weitere fügen.
Dann entließ er Kundry mit den Worten:
„Hinweg, hinweg, von mir!
Dein Meister schickt dich Namenlose,
Urteufelin, Höllenrose!
Herodias warst du, Blumenmädchen kannst du nicht länger sein!
Kundry die Hexe seist du wieder!
Hinfort, hinfort denn, Kundry!
Dein Meister befiehlt: hinweg!“
Nach diesem Spruch fiel Kundry in sich zusammen und versank im Zaubergarten erneut in regungslosen, tiefen Schlaf.
Als Kundry wieder erwachte fand sie sich in ihrer armseligen Hütte im Wald wieder und sie beeilte sich umgehend den Anweisungen Klingsors zu folgen.
Dazu verurteilt ihm weiter als Wanderin zwischen den
Welten zu dienen, hatte sie wieder in ihre hexenartige Gestalt zurückkehren
müssen, was für sie glücklicherweise damit verbunden war, dass die Schmerzen
auf ihrem gepeinigten Hinterteil ebenso verschwunden waren, da sie ja jetzt
wieder nur eine alte Frau war.
Wenigstens in dieser Hinsicht war die Verwandlung zu etwas gut.
Umgehend befahl sie ihrer Eule Urug ein kleines Pergament zu Bigela zu bringen.
Diese war bei der Ankunft der Eule nur kurz verwundert, denn Kundry hatte Bigela darauf vorbereitet, dass wenn Sie eine Lösung gefunden hätte, ein ungewöhnlicher Bote ihr Nachricht bringen würde, von dem sie sich jedoch nicht erschrecken lassen sollte.
Neugierig entrollte Bigela das Pergament auf dem Kundry ihr mitteilte einen Weg zur Heilung von Barthel gefunden zu haben, zu welchem sie jedoch eine gemeinsame Reise unternehmen müssten.
So weit, so gut dachte sich Bigela, doch als sie weiterlas, wurde sie blass vor Schreck und im nächsten Moment rot vor Wut, denn Kundry berichtete von der Ursache des Wahnsinns von Barthel, und dass Flordelis gleichsam den Trank angewandt hatte.
„Oh, dieses Miststück, diese Hexe!“, fluchte Bigela auf Flordelis, war aber gleichzeitig wütend auf sich selbst, da man sie ja hätte genauso beschuldigen können.
Und nun forderte diese Kundry sie auch noch auf, gemeinsam mit Flordelis in den Wald zu ihr zu kommen um auf diese Reise zu gehen. Eine Reise, zu der sie keine weiteren Vorbereitungen treffen müssten und außer ein paar Goldstücken nichts mitbringen sollten.
Zu allem Verdruss sollte Bigela auch noch auf ihre verhasste Konkurrentin zugehen, und diese überreden mit ihr auf diese seltsame Reise zu gehen? Bigela überlegte einen Moment, machte sich dann aber schnell daran, sich reisefertig zu machen.
Keineswegs wollte sie unvorbereitet auf diese Reise gehen, und wählte festes, aber trotzdem elegantes Schuhwerk und ein dunkelrotes fast schwarzes Kleid, welches genügend versteckte Taschen enthielt, in welchen sie neben den Geldstücken auch einen kleinen Dolch verbergen konnte.
´Man kann nie wissen´, dachte sie bei sich, und begab sich daraufhin zum Haus des Kaufmanns Baldemarus. Dort traf sie auf eine misstrauische und feindselig eingestellte Flordelis, welche sie zunächst nicht hatte empfangen wollen, welche sich dann aber doch zu einem Spaziergang und einem vertraulichen Gespräch hatte überreden lassen.
In diesem konfrontierte Bigela die überraschte Flordelis mit ihrem Wissen, das Flordelis einen Zaubertrank angewandt hatte, um Barthel zu gewinnen. Damit hatte Bigela Flordelis in der Hand, denn schon allein diese Anklage würde ausreichen, um Flordelis in den Folterkeller der Stadt zu bringen.
Flordelis war dermaßen eingeschüchtert, dass sie nicht auf die Idee kam, dass Bigela sich in gleicher Weise schuldig gemacht hatte, und willigte ein, mit dieser zu Kundry zu gehen.
Gegenüber Vater Baldemarus erfand Bigela die Ausrede, dass Flordelis und sie selbst dem Rat des ehrwürdigen Abtes Ekkehard aus einem, eine Tagesreise entfernten, Kloster folgen wollten, um sich Exerzitien zu unterwerfen, die bei der Heilung von Barthel hilfreich sein könnten.
Obwohl der Kaufmann Baldemarus ein eher misstrauischer Mensch war, ließ er sich überzeugen, da Bigela, so wie sie auftrat, sehr erwachsen, ja fast mütterlich wirkte, und damit sein Argwohn besänftigt worden war.
Zudem war sein Auge und damit auch sein Denken abgelenkt, was Bigela bewusst mit der Wahl ihres Kleides beabsichtigt hatte. Denn zum einen betonte der schwarz-rote Samt ihren Busen, und ließ ihre vollen Brüste erahnen, zum anderen hatte sie ihre Taille geschnürt, so dass ihr vollweibliches Hinterteil entsprechend zur Geltung kam. Sie wusste, dass sich damit nicht nur die Phantasie der jungen Burschen, sondern gerade auch die der älteren Herren anregen ließ.
Sich trotz allem noch als Konkurrentin empfindend, wählte Flordelis für die Reise ein helles, weit schwingendes Kleid, aus leichtem Stoff, und stellte sich damit in krassem Kontrast zu Bigelas Erscheinungsbild dar. Keineswegs wollte Flordelis im Schatten von Bigela wandeln, und da diese die dunklen Farben für sich gewählt hatte, erschien Flordelis mit einer Blume im Haar, wie ein strahlender Sonnentag.
Dann machten sich Bigela und Flordelis auf den Weg zu Kundry, und in der Hütte angekommen, verabreichte Kundry beiden zunächst einen Becher mit Wein, in welchen sie zuvor einen Trank gemischt hatte.
In der Folge versetzte dieser Trank die beiden Maiden in einen Zustand der Trance, und Kundry wurde Herrin über Leib und Seele der beiden jungen Frauen.
Libertineros 2021, 2025
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